Programm

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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Freitag

09:00 – 12:00 Uhr

Blücherplatz 1, 10961 Berlin

ZLB Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Workshop für Schulklassen

Geschlossene Veranstaltung für Schulklassen (11.-13. Klasse)

Mit Marianne Gareis

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Im Erzählband Das gute Übel führt uns die preisgekrönte argentinische Autorin Samanta Schweblin das alltägliche Böse im perfiden Guten vor Augen. Keine Zukunftsvision, sondern eine Gegenwartsdystopie, in der das Unheimliche bereits im Alltag steckt.

Nach einer Einführung zum Beruf der Literaturübersetzerin lernen die Schüler die Erzählungen von Samanta Schweblin kennen und übersetzen in Kleingruppen einen Ausschnitt davon selbst vom Spanischen ins Deutsche. So probieren sie sich als Übersetzende aus und entdecken den Spaß in der kreativen Arbeit mit Sprache.

Für Schulklassen (11.-13. Klasse).
Anmeldung erforderlich an jubi@zlb.de

Marianne Gareis

Marianne Gareis wurde in Süddeutschland geboren. Sie studierte Lateinamerikanistik, Anglistik und Ethnologie und lebt heute in Deutschland und Portugal. Seit 1989 übersetzt sie Literatur aus dem Portugiesischen und Spanischen, darunter Autor:innen wie José Saramago, Gonçalo M. Tavares, Joaquim Machado de Assis, Eça de Queirós, Lídia Jorge, Tatiana Salem Levy, Samanta Schweblin und Aroa Moreno Durán. 2014 wurde sie mit dem Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ausgezeichnet, 2019 erhielt sie den Hieronymusring des Verbands der Literaturübersetzer:innen.

Foto: privat

Sonntag

19:00 – 21:00 Uhr

Veteranenstraße 21, 10119 Berlin

Lettrétage

Gespräch und Lesung
19:00 – 20:15 Uhr

Orwell trifft digitale Gegenwart: Zwei Übersetzer zeigen, wie alte und neue Dystopien unsere Sicht auf Macht, Sprache und Manipulation prägen – und warum diese Werke heute aktueller sind denn je.

Mit Mirko Kraetsch und Frank Heibert

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Dystopien halten unserer Welt den Spiegel vor. Manche schaffen dies sogar mit Humor, wie der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecky in Troll (2018). Der Roman, der vor der Gefährdung demokratischer Gesellschaften im digitalen Zeitalter warnt, erinnert stark an Orwells Analyse totalitärer Strukturen in 1984, auch in seiner sprachlichen Wirklichkeitsverdrehung. 
Hvorečkys Übersetzer Mirko Kraetsch und Orwells Übersetzer Frank Heibert unterhalten sich über die Aktualität dieser Visionen in der heutigen Fake-News-Industrie und berichten über ihren jeweiligen übersetzerischen Umgang mit neuen und klassischen Dystopien.

Mirko Kraetsch

Mirko Kraetsch, geboren 1971 in Dresden, übersetzt aus dem Tschechischen und Slowakischen quer durch alle literarischen Sparten. Er moderiert Lesungen, hält Vorträge und leitet Workshops. Ehrenamtlich engagiert er sich im Vorstand des VdÜ sowie bei Weltlesebühne e. V. und ist zudem Mitglied im Münchner Übersetzerforum, im österreichischen Forum Literaturübersetzen sowie im slowakischen Verband DoSlov. Ins Deutsche übersetzte er u. a. Michal Tallo, Marek Torčík, Iva Procházková, Markéta Pilátová, Irena Dousková, Michal Hvorecky, Peter Krištúfek, Emil Hakl und Bianca Bellová.

Foto: Andrea Schuh

Frank Heibert

Frank Heibert, 1960 in Essen geboren, lebt als Literatur- und Theaterübersetzer mit seinem Mann Hinrich Schmidt-Henkel in Berlin. Er hat aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen ca. 120 Prosawerke und 120 Theaterstücke übersetzt, u. a. von Don DeLillo, Richard Ford, William Faulkner, George Orwell, George Saunders, Neil LaBute, Tony Kushner, Boris Vian, Raymond Queneau, Marie Darrieussecq, Yasmina Reza, Aldo Busi, Curzio Malaparte, Jorge de Sena. Außerdem ist er als Dozent, Autor (Roman, Essays), Kritiker, Moderator und Jazzsänger tätig. Diverse Übersetzungspreise.

Foto: Christa Holka

Kollektive Lesung
20:30 – 21:15 Uhr

Bunte, vielstimmige Lesung aus euren Lieblings-Utopien und -Dystopien – in Original und Übersetzung!

Moderiert von Hélène Thiérard und Henning Bochert

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Eine Lesung der besonderen Art, die aus euren Einsendungen entsteht. In den Wochen vor dem Festival ruft die Weltlesebühne dazu auf, uns eure liebsten Utopien und Dystopien zu schicken – Werke, die euch geprägt, erschüttert oder inspiriert haben. Wir greifen auf eure Vorschläge auf, um die Vielfalt utopischer und dystopischer Imaginationen hörbar zu machen – auch in den Originalsprachen.

Hélène Thiérard

Hélène Thiérard (* 1982) lebt als Literaturübersetzerin und -wissenschaftlerin in Berlin. 

Sie übersetzt ins Französische (u. a. Raoul Hausmann, Franz Kafka und Günter Brus) und ist Vorstandsmitglied der Weltlesebühne e. V. Nach der Promotion lehrte und forschte sie an der Sorbonne (Paris), am IFK (Wien) und an der Universität des Saarlandes. Sie ist heute an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Zu ihren Forschungsgebieten gehören mehrsprachiges Denken und literarische Übersetzung. Zuletzt erschienen zwei Artikel in TTR. 

Aktuelles Buchprojekt: Politics of Language After Universalism, zusammen herausgegeben mit Chris Song.

Foto: Hélène Thiérard/ privat

Henning Bochert

Henning Bochert ist Autor, Literaturübersetzer, Dozent und u. a. Mitglied von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V. und Weltlesebühne e. V. 

Nach dem Schauspielstudium an der Universität der Künste Berlin übersetzt er seit über 30 Jahren, zuletzt Inua Ellams, David Vaughan und Susan Glaspell. 

Eigene Texte u. a. in: PS | Politisch schreiben, Macondo, Freie Zeit Art, Die Novelle, produziert u. a. mit dem Anima-Kollektiv, am Theater der Altmark Stendal, Alica Minar & Col. 

Foto: Graham Hains

Freitag

09:00 – 12:00 Uhr

Blücherplatz 1, 10961 Berlin

ZLB Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Workshop für Schulklassen

Geschlossene Veranstaltung für Schulklassen (5.-6. Klasse)

Mit Nadine Püschel

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Im dystopischen Kinderbuch Ama bu çocuk defolu! von Suzan Geridönmez (selbst Übersetzerin) werden Kinder als braver Nachwuchs im Laden erworben. Auch Sumru soll einen Bruder bekommen – doch das Modell hat einen Makel. Die Kinder verbünden sich zur Rebellion!

In diesem Workshop lernen Grundschüler:innen spielerisch, ggf. unter Einbeziehung der türkischsprachigen Kinder der Klasse, die Anforderungen und Freiheiten des literarischen Übersetzens und das Berufsbild einer Übersetzerin kennen. Sie verfassen eine Nacherzählung einer Szene auf Deutsch, erfinden eigene Dialoge und Figuren und fertigen Collagezeichnungen an. Gemeinsam fragen wir: Was können Eltern von Kindern lernen?

Für Schulklassen (5.-6. Klasse)

Anmeldung geschlossen.

Nadine Püschel

Nadine Püschel studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Seit 2008 ist sie als freie Übersetzerin für Literatur und audiovisuelle Medien aus dem Englischen, Französischen und Türkischen tätig und leitet Workshops für Studierende und Schüler:innen. Als Mitglied der Jungen Weltlesebühne liest sie zudem regelmäßig in Berliner Schulen und Bibliotheken aus ihren Kinder- und Jugendbuchübersetzungen.

Foto: Ebba Drolshagen

Freitag

10:00 – 22:00 Uhr

Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin

Collegium Hungaricum Berlin

Workshop
10:00 – 13:00 Uhr

Mit Lisa Wegener

Von Bunkern und Paradiesgärten – zeitgenössische Theatertexte in Übersetzung

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Die Theaterübersetzerin Lisa Wegener führt in die besonderen Anforderungen beim Übersetzen von Theatertexten ein. Hierzu zieht sie u. a. Beispiele aus „Oil“ von Ella Hickson und „Vers où nos corps célestes“ von Julie Ménard sowie aus von den Teilnehmenden mitgebrachten Texten heran. In diesem Workshop werden neuere Theatertexte verschiedener Sprachen auf ihren visionären Gehalt hin geprüft. Wir fragen nach den Regelwerken sozialutopischer Gemeinschaften, analysieren Kunstsprachen und gehen Strategien der Dekonstruktion von Retromythos, Korpus und Autor:innenschaft nach, um den Sprachtransfer ins Deutsche zu gestalten: Wir suchen nach kreativen Übersetzungen für ökofeministische Ansätze, Robotersprachen oder Praktiken der Subsistenz in einer lebensfeindlichen Welt … 

Die Übersetzungswerkstatt richtet sich an angehende Literaturübersetzer:innen, solche ohne Erfahrung mit Theaterübersetzen sowie Studierende. Anmeldungen können bis spätestens 13. September 2026 an lisa.wegener@drama-panorama.com geschickt werden. Textbeispiele aus aktuellen Übersetzungsprojekten sind sehr willkommen, aber nicht Bedingung.

Lisa Wegener

Lisa Wegener, 1982 in Leipzig geboren, übersetzt Literatur und Theater aus dem Englischen, Französischen und Niederländischen ins Deutsche. Als Übertitelerin betreut sie Produktionen an Stadttheatern, in der freien Szene und auf Tournée, zuletzt vor allem das Oeuvre von Rébecca Chaillon. Mit Charlotte Bomy gab sie die Anthologien Afropäerinnen – Theatertexte aus Frankreich und Belgien (2021) und Surf durch undefiniertes Gelände. Internationale queere Dramatik (2022) heraus und arbeitet aktuell an einem Band zu Narrativen für die Zukunft. Sie ist Teil von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V. und Mitgründerin des Übersetzerinnenkollektivs buerozwei.berlin. Als Seminarleiterin und Gastdozentin vermittelt sie u. a. undogmatisch diskriminierungskritische Ansätze, Übertitelungsskills und berufspraktisches Wissen.

Foto: Leona Goldstein

Live-Beratung
14:00 – 20:00 Uhr

Das Projekt schreiben&lebenExTRA bietet im Rahmen des Festivals kostenlose, 30-minütige Einzelberatungen rund um das Thema Literaturübersetzung und den Übersetzungsberuf an. Die Beratungen eignen sich für Anfänger:innen beim Übersetzen sowie Berufserfahrene. 

Mit Charlotte Bomy

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Mögliche Themen für die Beratungen: Ich hab ein tolles Buch gefunden, das ich übersetzen will! Und jetzt? Wie komme ich an einen Auftrag? Muss ich studieren, um Übersetzer:in zu werden? Was muss ich als Übersetzerin über Urheberrecht und Vertragsgestaltung wissen? Wie verhandle ich mit Verlagen? Was sollte ich über die KSK und die VG Wort wissen? Welche Vernetzungsmöglichkeiten gibt es für Übersetzer:innen? Wie funktioniert der Literaturbetrieb und das literarische Leben?

Anmeldung ab 01.09. möglich unter: www.literaturszene.berlin/beratungsangebot/termin-buchen/

Ort: Bibliothek im Collegium Hungaricum Berlin

schreiben&lebenExTRA

Das Projekt schreiben&lebenExTRA umfasst eine Reihe von Angeboten, die literarische Freiberufler:innen bei den vielfältigen und komplizierten Aufgaben der Selbständigkeit unterstützen. Dazu zählt ein umfangreiches kostenloses Beratungsangebot, ein Mentoring-Programm und diverse Formate der Vernetzung und Wissensvermittlung, darunter der jährliche Branchentreff Literatur, die Winter School und regelmäßige Webinare.

Charlotte Bomy

Charlotte Bomy arbeitet seit 2012 als freiberufliche Literatur- und Theaterübersetzerin, Herausgeberin und Kuratorin in Berlin. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der internationalen Projektarbeit, der Übersetzungsvermittlung sowie der Kuratierung literarischer Formate. Seit 2018 ist sie regelmäßig als Beraterin tätig und hat unter anderem als transnationale Lotsin für das Performing Arts Programm Berlin gearbeitet. Gemeinsam mit Lisa Wegener gab sie im Neofelis Verlag die Anthologien Afropäerinnen. Theatertexte aus Frankreich und Belgien (2021) und Surf durch undefiniertes Gelände – Internationale queere Dramatik (2022) heraus. Für ihre Arbeit erhielt sie u. a. eine Gastdozentur des Deutschen Übersetzerfonds an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (WS 2022/23) sowie das Stipendium für Übersetzer*innen im Bereich Literatur des Berliner Senats (2025).

Foto: Charlotte Bomy/ privat

Begrüßung
15:45 – 16:15 Uhr

Mit Hélène Thiérard, Henning Bochert, Aurélie Maurin und Márta Nagy

Gespräch
16:15 – 17:45 Uhr

Wie verändert KI unsere Sprachen? Ein Gespräch über menschliches Übersetzen in Zeiten automatisierter Sprachproduktion.

Mit Claudia Hamm, Chantal Wright, Petra Schaper Rinkel und Maike Albath

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In Zeiten von KI-Systemen und automatisierter Sprachproduktion gewinnt die Frage nach dem Wert menschlicher Übersetzungsarbeit neue Dringlichkeit. Was geht bei maschineller Übersetzung verloren? Birgt das Versprechen, Sprachbarrieren effizient und kostengünstig zu überwinden, nicht auch langfristige Gefahren? Welche Folgen hat es für die Gesellschaft, wenn wir menschliche Sprachen automatisieren? Anhand vieler konkreter Beispiele beleuchten die Übersetzerinnen und KI-Spezialistinnen Claudia Hamm (Berlin) und Chantal Wright (Zürich) sowie die Politikwissenschaftlerin und Innovationsforscherin Petra Schaper Rinkel (Graz) gemeinsam mit Autorin und Journalistin Maike Albath (Berlin) dieses Thema.

Claudia Hamm

Claudia Hamm, geboren 1969 in Jena, lebt als Literaturübersetzerin, Autorin und Theaterregisseurin in Berlin. Für ihre Übersetzungen aus dem Französischen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien Emmanuel Carrères Die Parallelwelten des Philip K. Dick (2025). Sie ist Mitgründerin des Festivals translationale berlin und lehrt an verschiedenen Hochschulen. Claudia Hamm initiierte 2023 den Arbeitskreis Literaturübersetzen und KI, der mit den Literaturübersetzerverbänden aus D-A-CH das Manifest für menschliche Sprache veröffentlichte. 2024 gab sie das Akzente-Heft Automatensprache heraus.

Foto: Michael Donath

Chantal Wright

Chantal Wright, geboren 1975 in Manchester (England), ist Literaturübersetzerin und Professorin für Creativity and the Language Industry an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Sie übersetzt aus dem Deutschen und Französischen ins Englische, wurde u. a. mit dem Cliff Becker Book Prize ausgezeichnet und gründete den Warwick Prize for Women in Translation. Wright ist Autorin des wissenschaftlichen Handbuchs Literary Translation (Routledge, 2016) und lehrte an mehreren internationalen Universitäten. Ihre Übersetzungen von Kinderbüchern wurden zweimal für den Marsh Award for Children’s Literature in Translation nominiert. Gerade hat sie mit Simon Pare die Übersetzung des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch Wir haben es nicht gut gemacht (Suhrkamp, 2022) abgeschlossen, der Ende 2026 bei Seagull Books erscheinen soll.

Foto: Foto Christa Stocker/ZHAW

Petra Schaper Rinkel

Petra Schaper Rinkel forscht dazu, wie das Neue in die Welt kommt und unter welchen Bedingungen Zukünfte möglich werden. Als Politikwissenschaftlerin und kritische Zukunftsforscherin untersucht sie das Verhältnis von Politik, Technologie und Zukunft. Am AIT Austrian Institute of Technology leitete sie europäische Foresight-Projekte. An der Universität Graz baute sie als Professorin für Wissenschafts- und Technikforschung und Vizerektorin für Digitalisierung das Interdisziplinäre Digitale Labor (IDea_Lab) auf und war dessen Gründungsdirektorin. Von 2023 bis 2025 war sie Rektorin der Universität für angewandte Kunst Wien. Heute forscht sie an der Universität Graz.

Foto: Uni Graz/Kanizaj

Maike Albath

Maike Albath (* 1966 in Braunschweig) ist eine deutsche Literaturkritikerin, Autorin und Journalistin. Sie studierte Romanistik und Germanistik in Berlin und Italien und promovierte über den Dichter Andrea Zanzotto. Seit 1993 ist sie als Journalistin für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur tätig und schreibt u. a. für die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit. 2002 wurde ihre Arbeit als Literaturkritikerin mit dem Alfred-Kerr-Preis gewürdigt, 2006 erhielt sie die Übersetzerbarke des VdÜ. Sie veröffentlichte mehrere Sachbücher über italienische Literatur und Kultur, u. a. „Der Geist von Turin“ (2010), „Rom, Träume“ (2013), „Trauer und Licht“ (2019) und „Bitteres Blau“ (2024). Sie lebt in Berlin.

Foto: Michela Di Savino

Gespräch
18:00 – 19:15 Uhr

In Kooperation mit dem TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds

Mit Petina Gappah und Patricia Klobusiczky

*Dieser Programmpunkt muss leider entfallen.

Lesung
18:00 – 18:30 Uhr

Alida Bremer liest aus Asja Bakićs Leckermäulchen (2025), das sie aus dem Kroatischen übersetzt hat. Elf feministische Erzählungen, die zwischen dystopischen Zukunftsszenarien und dem schillernden Grenzbereich der Weird Fiction oszillieren. 

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Künstliche Intelligenzen, die weibliches Begehren bedienen, Sextapes als staatliche Steuerleistung, Zeitreisen und genderfluide Identitäten – Asja Bakićs Geschichten sprengen Konventionen und öffnen Räume für anarchische, lustvolle und widerständige Imaginationen. Die Übersetzerin Alida Bremer führt in diese neue Weird Fiction ein und beleuchtet, wie sich Bakićs spekulative Welten in der südosteuropäischen und internationalen Literaturlandschaft verorten lassen.

Alida Bremer

Alida Bremer (* 1959 in Split, Kroatien) ist eine kroatisch-deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin, die seit 1986 in Deutschland lebt, heute in Münster. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik, Slawistik und Germanistik in Belgrad, Rom, Saarbrücken und Münster und promovierte in Vergleichender Literaturwissenschaft. Sie übersetzt Romane, Theaterstücke und Lyrik aus dem Kroatischen, Serbischen und Bosnischen, u. a. von Ivana Sajko, Edo Popović und Asja Bakić. 2018 wurde sie mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt für Sajkos Liebesroman ausgezeichnet. Sie schreibt Essays, Romane und Erzählungen, zuletzt ist 2023 ihr Roman Tesla oder Die Vollendung der Kreise erschienen.

Foto: Edi Matić

Kollektive Lesung
18:30 – 19:15 Uhr

Bunte, vielstimmige Lesung aus euren Lieblings-Utopien und -Dystopien – in Original und Übersetzung!

Moderiert von Hélène Thiérard und Henning Bochert

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Eine Lesung der besonderen Art, die aus euren Einsendungen entsteht. In den Wochen vor dem Festival ruft die Weltlesebühne dazu auf, uns eure liebsten Utopien und Dystopien zu schicken – Werke, die euch geprägt, erschüttert oder inspiriert haben. Wir greifen auf eure Vorschläge auf, um die Vielfalt utopischer und dystopischer Imaginationen hörbar zu machen – auch in den Originalsprachen.

Hélène Thiérard

Hélène Thiérard (* 1982) lebt als Literaturübersetzerin und -wissenschaftlerin in Berlin. 

Sie übersetzt ins Französische (u. a. Raoul Hausmann, Franz Kafka und Günter Brus) und ist Vorstandsmitglied der Weltlesebühne e. V. Nach der Promotion lehrte und forschte sie an der Sorbonne (Paris), am IFK (Wien) und an der Universität des Saarlandes. Sie ist heute an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Zu ihren Forschungsgebieten gehören mehrsprachiges Denken und literarische Übersetzung. Zuletzt erschienen zwei Artikel in TTR. 

Aktuelles Buchprojekt: Politics of Language After Universalism, zusammen herausgegeben mit Chris Song.

Foto: Hélène Thiérard/ privat

Henning Bochert

Henning Bochert ist Autor, Literaturübersetzer, Dozent und u. a. Mitglied von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V. und Weltlesebühne e. V. 

Nach dem Schauspielstudium an der Universität der Künste Berlin übersetzt er seit über 30 Jahren, zuletzt Inua Ellams, David Vaughan und Susan Glaspell. 

Eigene Texte u. a. in: PS | Politisch schreiben, Macondo, Freie Zeit Art, Die Novelle, produziert u. a. mit dem Anima-Kollektiv, am Theater der Altmark Stendal, Alica Minar & Col. 

Foto: Graham Hains

Festivalrede
19:45 – 20:45 Uhr

Zwischen den Sprachen eröffnen sich Möglichkeiten. Annette Hug findet im Übersetzen Funken von Zuversicht. Auch im Roman Tiefenlager (2021) sucht sie nach Wörtern, die aus Kolonialsprachen und der bedrohlichen Gegenwart ausbrechen.  

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„Es ist nicht auszuschließen, dass wir gemeinsam klüger sind als allein“, sagt Céline, eine Figur in Annette Hugs Roman Tiefenlager (2021). Der Satz beruht auf guten Erfahrungen in vielsprachiger Zusammenarbeit. Der Raum zwischen den Sprachen öffnet unerwartete Möglichkeiten. „Ruhe bewahren, sorgfältig denken haben wir gelernt“, sagt Céline, als gehöre sie zum weltweiten Netzwerk aus Übersetzer:innen, die genau lesen, nachfragen und ihre eigenen Sprachen lebendig halten. Gerade wenn die Dringlichkeit hoch ist.   

Ausgehend von ihrer eigenen Arbeit als Übersetzerin aus dem Tagalog und als Schriftstellerin geht Annette Hug den kleinen Funken nach, wo sich Zuversicht regt. Ein Jahr, nachdem die Philippinen Gastland bei der Frankfurter Buchmesse waren, spricht sie über Übersetzung als politischen und poetischen Akt: Finden wir Wörter, um aus den gewaltvollen Kolonialsprachen und der bedrohlichen Gegenwart auszubrechen?  

Annette Hug

Annette Hug ist 1970 in der Schweiz geboren. Sie hat in Zürich Geschichte und in Manila Women and Development Studies studiert. Nach Tätigkeiten als Dozentin und Gewerkschaftssekretärin lebt sie seit Januar 2015 als freie Autorin. Im rotpunktverlag erschienen 2008 Lady Berta und 2010 In Zelenys Zimmer, im Verlag Das Wunderhorn Wilhelm Tell in Manila (2016) und Tiefenlager (2021). Annette Hug wurde 2017 mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Von August 2018 bis April 2026 erschien in der Wochenzeitung WOZ ihre Kolumne Ein Traum der Welt. Seit 2024 veröffentlicht sie Übersetzungen von Filipino (Tagalog) ins Deutsche, so die Romane Das Meer der Aswang von Allan N. Derain und Die 70er von Lualhati Bautista.

Foto: Ah Bürer

Performance
21:00 – 22:00 Uhr

Drei Slam-Poet:innen treten mit ihren Texten zum Festivalthema im Wettbewerb an – das Publikum kürt die Gewinner:in live.

Mit Aidin Halimi, Inke Sommerlang, Lisa Pauline Wagner und Birdy

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Am Ende des Tages lässt das Kollektiv Kunst & Krawall es mit einem besonderen Poetry Slam noch einmal knallen. Namhafte Stimmen der Poetry-Slam-Szene treten mit utopischen Ideen, dystopischen Zukunftsvisionen und ganz eigenen Gedanken zu Weltrettung und -untergang in den Wettstreit. Kommt und entscheidet mit, wer gewinnt.

Kollektiv Kunst & Krawall

Kunst & Krawall ist ein FLINTA*-geführtes Poetry Slam Kollektiv, das sich für geschlechtergerechte und diverse Repräsentation auf und neben der Bühne einsetzt. Seit 2022 gestalten sie Shows und Veranstaltungsreihen in Cafés und Kneipen, sowie größeren Clubs und Veranstaltungshäusern in und um Berlin. Des Weiteren fördern sie durch Workshop- und Bühnenangebote auch den Nachwuchs der Poetry Slam Szene.

Lisa Pauline Wagner

Lisa Pauline Wagner ist Theaterregisseurin und Poetry Slammerin aus Berlin. 2022 schloss sie ihr Regiestudium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ab. Sie wurde 2022 deutschsprachige Vizemeisterin im Poetry Slam sowie 2023 und 2026 Berlin-Brandenburg-Meisterin. 2024 vertrat sie Deutschland bei den Europa- und Weltmeisterschaften. 2025 schrieb und inszenierte sie die Bühnenfassung von Lucia Zamolos „Und dann noch … wie Stress weniger stresst, fast ohne Toxic Tips“ am Theater Münster; 2026 war die Inszenierung beim Theaterfestival Westwind zu sehen.

Foto: Lennart Neuhaus

Aidin Halimi

Aidin Halim ist Autor und Poetry Slammer. Im Iran geboren und aufgewachsen emigrierte er mit sechzehn Jahren nach Deutschland. Er studierte Deutsche Literatur und Geschichte, begann 2015 seinen Bühnengang und gewann 2021 die Poetry Slam Meisterschaften in Berlin/Brandenburg, nachdem er 2019 Vizemeister geworden war.

Sein Debütroman In den Flügeln das Licht ist im März 2026 bei Gutkind-Verlag und seine Textsammlung Hinundherkunft. Storys eines voll durchintegrierten 2024 bei Satyr-Verlag erschienen. Seine Texte sind außerdem in zahlreichen Anthologien und Zeitungen veröffentlicht worden.

Er ist ein Mitglied der Lesebühne „Fuchs & Söhne“ und Autor beim Nachrichtenformat „FunFacts“.

Foto: AA Fotografie

Inke Sommerlang

Inke Sommerlang, Slam Poetin und Moderatorin und promoviert im Fach Sprechwissenschaft. Sie lebt in Berlin und ist im gesamten deutschsprachigen Raum auf Bühnen unterwegs. 2023 wurde sie Sächsische Landesmeisterin im Poetry Slam. Ihre Texte sind mal laut, kritisch und ironisch, mal sensibel und mitfühlend, aber vor allem immer eines: ehrlich. Inke Sommerlang trägt ihr Herz auf der Zunge und genau das bekommt man auch auf die Ohren, wenn sie die Bühne betritt.

Foto: Photojunge

Birdy (Moderation)

Birdy ist Poetry Slammerin, Moderatorin und Schreibpädagogin aus Berlin. Seit Jahren steht sie als Künstlerin auf Bühnen moderiert Poetry Slams und Kulturveranstaltungen. Als Teil des Berliner Veranstaltungskollektivs Kunst&Krawall gestaltet sie verschiedene regelmäßige Veranstaltungsreihen in der Hauptstadt und führt mit Souveränität und ihrem Gespür für Timing und Publikum auch durch diese Veranstaltung.

Foto: Petra Weixelbraun

Sonntag

13:00 – 16:30 Uhr

Blücherplatz 1, 10961 Berlin

AGB Amerika-Gedenkbibliothek | PopUP Saal

Gespräch und Lesung
13:00 – 14:30 Uhr

In 100 Jahren ein Kurdenstaat? Welche Rolle spielt Sprache im Ringen um Identität, Widerstand und politische Imagination?

Mit Meral Şimşek, Mustafa Gündoğdu und Dawid Yeşîlmen

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In Kurdistan + 100: Stories from a Future State (2023) entwerfen 13 kurdische Autor:innen zukünftige Szenarien um die zentrale Frage: „Können die Kurden eines Tages einen eigenen Staat haben?“

Im Gespräch mit Mustafa Gündoğdu, Ko-Herausgeber des Bandes, und der Autorin Meral Şimşek beleuchtet Dawid Yeşîlmen die Entstehung dieses außergewöhnlichen, literarische Zukunftslabors aus Übersetzungen zwischen Türkisch, Kurmandschi, Sorani und Englisch.

Ausschnitte werden in den Originalsprachen gelesen (englische Übersetzung verfügbar).

Veranstaltungssprache: Englisch

Meral Şimşek

Meral Şimşek ist eine kurdische Schriftstellerin und Dichterin aus Diyarbakır. Neben ihren türkischsprachigen Werken in den Gattungen Lyrik, Roman und Kurzprosa ist ihre deutschsprachige Gedichtauswahl Feigenflecken (2023) erschienen; zudem ist sie in zahlreichen internationalen Anthologien vertreten. Aufgrund politischer Strafverfolgung wegen ihrer Werke lebt sie seit 2022 im Exil in Berlin.

Sie ist Mitglied des PEN Berlin und als Co-Sprecherin des Kurdischen Instituts Deutschland (Berlin) aktiv. Neben zahlreichen Auszeichnungen – darunter der Theodor-Kramer-Preis (2022) – leitet sie in Berlin Schreibwerkstätten und setzt ihre literarische Arbeit fort.

Foto: Meral Şimşek/ privat

Mustafa Gündoğdu

Mustafa Gündoğdu wurde in Dersim geboren und lebt heute in London. Über 20 Jahre lang arbeitete er als Koordinator für verschiedene Menschenrechts- und Konfliktlösungs-NGOs, wo er u. a. als hausinterner Übersetzer an über 100 Büchern und Artikeln mitwirkte. Seither ist er als freier Lektor und Zweitleser bei kurdischen Übersetzungen tätig, u. a. bei „Sara: My Whole Life Was a Struggle“ von Sakine Cansız. Er übersetzte u. a. die Erzählung „Cleaners of the World“ von Hüseyin Karabey für die mit dem PEN Translates Award 2021 ausgezeichnete Anthologie „Kurdistan +100″. Zudem ist er Gründer und ehemaliger Koordinator des London Kurdish Film Festival und organisierte kurdische Filmfestivals in London, New York, Dublin, Glasgow, Istanbul und Busan.

Foto: privat

Dawid Yeşîlmen

Dawid Yeşîlmen wurde 1984 in Mêrdîn geboren. Er absolvierte eine Lehrerausbildung in der Türkei; während er zunächst als Lehrer tätig war, schloss er gleichzeitig sein Masterstudium am Institut für kurdische Sprache und Kultur der Artuklu-Universität Mardin ab. Im Jahr 2016 zog er nach Deutschland und schloss an der Universität Duisburg-Essen seine Doktorarbeit ab, in der er untersuchte, wie der Völkermord von 1915 in kurdischer Belletristik dargestellt wird, die nach 2000 veröffentlicht wurde. Von 2014 bis 2021 arbeitete er als Redakteur für die kurdische Literaturzeitschrift Wêje û Rexne, die in Amed erscheint. Neben dieser Tätigkeit arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer und Lektor. Im Jahr 2024 kuratierte er gemeinsam mit Beliban zu Stolberg das Festival für kurdische Exilliteratur Dengê min tê te? im Literaturhaus Berlin. Derzeit ist er als Antidiskriminierungsberater tätig.

Foto: privat

Gespräch
15:00 – 16:30 Uhr

Wieviel Hoffnung steckt in der Dystopie? Ein Gespräch über sprachliche Welterzeugung und die Kraft ökologischer Science-Fiction von Ursula K. Le Guin bis heute.

Mit Karen Nölle und Milena Adam

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Klimawandel, Artensterben, nukleare Risiken – die Realität hat viele Motive der Science-Fiction eingeholt. Neue literarische Zukunftsentwürfe sind dringend nötig. Die Übersetzerinnen Karen Nölle (Ursula K. Le Guin) und Milena Adam (Sandra Newman, Céline Minard) sprechen darüber, wie ökologische Imagination in Science-Fiction entsteht und welche Rolle die Sprache dabei spielt. Romane wie Le Guins Die linke Hand der Dunkelheit (2023 neu übersetzt) und Immer nach Hause (2024) zeigen: Ökologische Systeme sind stets auch soziale und politische Ordnungsmodelle – und neue Worte ermöglichen neues Denken. Wie stehen diese Klassiker aus den 1970er- und 1980er-Jahren zum utopischen Gehalt aktueller Ökotopien?

Veranstaltungssprache: Deutsch

Karen Nölle

Karen Nölle (* 1950 in Hamburg) ist eine deutsche Übersetzerin, Lektorin und Autorin. Nach dem Studium der Anglistik, Romanistik, Germanistik und Philosophie in Hamburg, Aachen und Berkeley und acht Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der RWTH Aachen machte sie sich 1984 als freiberufliche Übersetzerin selbstständig. Sie übersetzt vor allem Autorinnen aus dem Englischen, u. a. Ursula K. Le Guin, Alice Munro, Doris Lessing und Annie Dillard. Von 2009 bis 2019 gab sie die edition fünf heraus. 2022/23 hatte sie die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur inne. Für ihre Le Guin-Übersetzungen erhielt sie zweimal den Kurd-Laßwitz-Preis. Sie lebt in der Holsteinischen Schweiz.

Foto: Julia Fischer

Milena Adam

Milena Adam (geboren 1991 in Hamburg) ist Literaturübersetzerin und Dolmetscherin aus dem Französischen und Englischen. Von 2016 bis 2019 arbeitete sie als Lektorin beim Verlag Matthes & Seitz Berlin. Sie übersetzte zwei Romane von Alain Damasio (Die Flüchtigen und Die Horde im Gegenwind), außerdem Werke von Sandra Newman, Céline Minard, Cal Flyn, Shubhangi Swarup, Phillip. B. Williams und Lucie Rico. Auch Ken Keseys monumentales Spätwerk Seemannslied, Vorläufer der Climate Fiction, übertrug sie ins Deutsche.

Foto: Stefanie Kulisch

Mittwoch

18:00 – 19:30 Uhr

Potsdamer Str. 37, 10785 Berlin

Ibero-Amerikanisches Institut

Gespräch und Lesung

Wie funktioniert Science-Fiction als Labor gesellschaftlicher Entwürfe? Stimmen aus Lateinamerika verbinden spekulative Imagination mit postkolonialer, öko-feministischer Kritik.

Mit Laura Haber, Lars Schmeink und Franziska Muche

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Die 15. Ausgabe der Zeitschrift alba.lateinamerika lesen widmet sich Science-Fiction-Literatur und bietet Lyrik-, Prosa- und Theatertexte sowie Essays aus Argentinien, Chile, Mexiko, Kolumbien, Puerto Rico und Brasilien in deutscher Erstübersetzung. Dabei schlägt das Kollektiv eine Brücke zu literarischen Szenen, die im deutschsprachigen Raum nahezu unsichtbar bleiben. Lateinamerikanische Science-Fiction hat sich seit den 1990er Jahren ästhetisch und politisch neu orientiert: Statt sich an westlichen Fortschrittsnarrativen zu messen, möchte sie indigene wie afrodiasporische Wissensformen ins Zentrum rücken und technologische Entwicklungen aus gegenhegemonialen Blickwinkeln verhandeln.

Laura Haber

Laura Haber, geboren 1985 in München, ist Literaturübersetzerin aus dem Spanischen, Französischen und Portugiesischen sowie Redaktionsmitglied der Zeitschrift alba.lateinamerika lesen.

Nach dem Master Literarisches Übersetzen an der LMU München nahm sie  am Hieronymus-Programm des Deutschen Übersetzerfonds und dem deutsch-französischen Goldschmidt-Programm teil. Sie übersetzte unter anderem Romane von Osvalde Lewat und Carolina Brown und erhielt 2025 ein Recherchestipendium des Berliner Senats. Außerdem übersetzt sie für verschiedene Festivals und leitet Übersetzungsworkshops für Erwachsene und Jugendliche.

Foto: Santiago Engelhardt

Franziska Muche

Franziska Muche ist Theaterübersetzerin, Herausgeberin, Dramaturgin und Dozentin. Sie studierte Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien in Passau, Übersetzen und Dolmetschen in Granada und Schauspiel in Berlin. Sie übersetzt und übertitelt Stücke spanischsprachiger Autor:innen, zuletzt Paco Gámez und Manuela Infante. Zusammen mit Pilar Sánchez Molina übersetzt sie auch ins Spanische, zuletzt Werke von Maja Zade und Maria Milisavljević. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. ein Exzellenzstipendium des Deutschen Übersetzerfonds. Sie leitet die szenische Lesereihe Ambigú im TuD Berlin.

Foto: Lolo Vasco

Lars Schmeink

Dr. Lars Schmeink ist freiberuflicher Medien- und Kulturwissenschaftler und Gründer der Gesellschaft für Fantastikforschung, deren Vorsitz er 10 Jahre lang innehatte. Er wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert und war als Gastprofessor in Cincinnati und Leeds tätig. Er arbeitet vor allem im Bereich Science Fiction und Zukunftsforschung und ist Experte für Themen an der Schnittstelle aus Technologie, Gesellschaft und Zukunft. 

Publikationen (Auswahl): Biopunk Dystopias: Genetic Engineering, Society and Science Fiction (2016), New Perspectives on Contemporary German Science Fiction (Hrsg. zusammen mit Ingo Cornils, 2022)

Foto: privat

Freitag

09:00 – 12:00 Uhr

Blücherplatz 1, 10961 Berlin

ZLB Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Workshop für Schulklassen

Geschlossene Veranstaltung für Schulklassen (9.-12. Klasse)

Mit Myriam Alfano

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In Comics und Graphic Novels steht die Bildsprache im Vordergrund, aber wie ist das mit dem Text? Wie überträgt man Witze und Schimpfwörter und bringt sie in den kleinen Sprechblasen unter? Wie glückt Jugendsprache in Schriftform? Mit Text und Bild können die Vorgänge beim Übersetzen in kurzer Zeit erfasst und ausprobiert werden.  

Das Labor ist eine Einladung zum Übersetzen und Spielen mit der/den eigenen Sprache(n). Fremdsprachenkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Für Schulklassen (9.-12. Klasse, ab 14 Jahre) 
Anmeldung geschlossen.

Myriam Alfano

Myriam Alfano ist Übersetzerin aus dem Italienischen und Spanischen mit einem Faible für gezeichnete Literatur, sie überträgt unter anderem die Werke des italienischen Superstars Zerocalcare ins Deutsche. 2025 wurde sie mit einer Gastdozentur des Deutschen Übersetzerfonds ausgezeichnet. Roberto Grossis Die große Verdrängung ist in ihrer Übersetzung für den Jugendliteraturpreis 2026 nominiert.

Foto: Markus Püttmann

Freitag

14:00 – 22:30 Uhr

Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin

Collegium Hungaricum Berlin

Live-Beratung
14:00 – 20:00 Uhr

Das Projekt schreiben&lebenExTRA bietet im Rahmen des Festivals kostenlose, 30-minütige Einzelberatungen rund um das Thema Literaturübersetzung und den Übersetzungsberuf an. Die Beratungen eignen sich für Anfänger:innen beim Übersetzen sowie Berufserfahrene. 

Mit Andreas Jandl

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Mögliche Themen für die Beratungen: Ich hab ein tolles Buch gefunden, das ich übersetzen will! Und jetzt? Wie komme ich an einen Auftrag? Muss ich studieren, um Übersetzer:in zu werden? Was muss ich als Übersetzerin über Urheberrecht und Vertragsgestaltung wissen? Wie verhandle ich mit Verlagen? Was sollte ich über die KSK und die VG Wort wissen? Welche Vernetzungsmöglichkeiten gibt es für Übersetzer:innen? Wie funktioniert der Literaturbetrieb und das literarische Leben?

Anmeldung ab 01.09. möglich unter: www.literaturszene.berlin/beratungsangebot/termin-buchen/

Ort: Bibliothek im Collegium Hungaricum Berlin

schreiben&lebenExTRA

Das Projekt schreiben&lebenExTRA umfasst eine Reihe von Angeboten, die literarische Freiberufler:innen bei den vielfältigen und komplizierten Aufgaben der Selbständigkeit unterstützen. Dazu zählt ein umfangreiches kostenloses Beratungsangebot, ein Mentoring-Programm und diverse Formate der Vernetzung und Wissensvermittlung, darunter der jährliche Branchentreff Literatur, die Winter School und regelmäßige Webinare.

Andreas Jandl

Andreas Jandl ist seit 2000 freiberuflicher Übersetzer von Theatertexten, Essays und Prosa. Neben Übersetzungen hat er auch eigene Texte veröffentlicht, war mehrmals Jurymitglied für Wettbewerbe und Preise und im Rahmen von “Neustart Kultur” zwei Mal Uni-Gastdozent.

Foto: Fondation Jan Michalski, Tonatiuh Ambrosetti

Begrüßung
15:45 – 16:00 Uhr

Mit Hélène Thiérard, Henning Bochert, Aurélie Maurin und Márta Nagy

Gespräch
16:00 – 17:15 Uhr

Feministische Dystopien und Anti-Dystopien stärken Handlungsmut und öffnen Räume für Widerstand. Doch wie viele dieser Visionen finden ihren Weg zu uns in Übersetzung? 

Mit Luca Homburg, Isabella Hermann und Karla Kutzner

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1995 erschien Jacqueline Harpmans Buch Moi qui n’ai pas connu les hommes – ein dystopischer Roman, der erst vor Kurzem neu entdeckt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. In dieser minimalen Dystopie überlebt einzig ein eine Gruppe von Frauen eine rätselhafte Katastrophe. Die Übersetzerin der deutschen Fassung Luca Homburg und die Politikwissenschaftlerin Isabella Hermann (Zukunft ohne Angst – Wie Anti-Dystopien neue Perspektiven eröffnen)erkunden gemeinsam feministische Narrative des Widerstands in dystopischer Literatur. Zudem beleuchtet das Gespräch, moderiert von Karla Kutzner, Aspekte des Ungleichgewichts im Literaturmarkt. Wie viele Werke aus weniger übersetzten Sprachen und Kulturen gelangen nicht in den deutschen Buchhandel?

Isabella Hermann

Dr. Isabella Hermann ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin, Science-Fiction-Analystin und Speakerin mit Sitz in Berlin. Sie promovierte in Internationalen Beziehungen an der Goethe-Universität Frankfurt. Ihre Forschung untersucht, wie Science-Fiction neue Technologien, gesellschaftliche Wertesysteme und globale Politik reflektiert – etwa in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Klimawandel und digitale Transformation. Sie forschte u. a. am Weizenbaum-Institut zu „Desirable Digital Futures“ und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu Utopie, Dystopie und Zukunftsnarrativen. Zudem ist sie als Beraterin, Moderatorin und Workshop-Leiterin tätig.

Foto: Kopf & Kragen Fotografie

Luca Homburg

Luca Homburg, geboren 1995, studierte Philosophie, Französisch und Translation in Durham, Paris und Wien. Sie übersetzt aus dem Englischen, Französischen und Niederländischen und arbeitet als Lektorin in Frankfurt am Main.

Foto: Luca Homburg/ privat

Karla Kutzner

Karla Kutzner ist Mitgründerin von InterKontinental. Als solche betreibt sie seit acht Jahren eine Buchhandlung, einen Verlag, Berlins erste BuchBar „One More Chapter“ und veranstaltet jährlich das African Book Festival. Zudem ist als Moderatorin und Literaturvermittlerin aktiv. Seit 2023 koordiniert Karla Kutzner Books at Berlinale und bringt auf dem ersten Rechtemarkt für Filmrechte, Produzent:innen und Literaturschaffende zusammen.

www.interkontinental.org

Foto: Jörg Kandziora

Szenische Lesung
17:30 – 18:00 Uhr

Dia Hakim, multidisziplinäre:r Künstler:in aus Singapur, befasst sich in diesem dystopischen Kurzstück mit der kulturellen Dimension von Wasser und zeichnet eine Zukunft, die unter die Haut geht.

Von: Dia Hakim Khaeri
Regie: Eberhard Köhler
Es lesen: Jee Chan, Kumar Muniandy
Englisch mit deutschen Untertiteln (Übersetzung von Henning Bochert)

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In einer zukünftigen Welt ist der Meeresspiegel so weit gesunken, dass sich für zwei Teenager in Singapur die identitätsbestimmende Küste und Meeresnähe entscheidend verändert hat. Auch die maritime Fauna ist nahezu verschwunden. Dann machen die beiden einen merkwürdigen Fund.

Dia Hakim Khaeri

Dia Hakim Khaeri (they/them, geb. 2002) ist eine multidisziplinäre künstlerische Person und angehende Kunstkritiker:in, die sich vor allem mit Performance und dem geschriebenen Wort als Material beschäftigt. In deren Arbeiten setzt Dia sich mit den Schnittstellen von Rassifizierung, Geschlecht und Queerness sowie mit der Politik der Sichtbarkeit und Identität auseinander. Derzeit ist Dia Mitglied der Playwrights Commune, einem unabhängigen Kollektiv von Dramatiker:innen, das sich für neue Dramatik einsetzt. Dia lebt derzeit in Singapur auf der malaiischen Halbinsel.

www.climatechangetheatreaction.com

Foto: Dia Hakim Khaeri

Eberhard Köhler

Eberhard Köhler studierte Regie und Schauspiel an der Schauspiel Akademie Zürich. Seit 1994 hat er als freischaffender Regisseur über 120 Inszenierungen in Deutschland und u. a. in der Schweiz, den USA, Russland, Vietnam und Kirgisistan realisiert. Von 2005 bis 2022 war er in der Leitung des Teatr Pokoleniy in St. Petersburg. Er unterrichtet Regie und Schauspiel an deutschen und internationalen Instituten. Er erhielt u. a. den Kurt-Nylander-Theaterpreis in Jävle/Schweden und war nominiert für die Goldene Maske in Moskau. Veröffentlichung: Schauspielgrundlagen und Grundlagen der Regie, in: Ulrike Hentschel (Hg.), Theater lehren. Didaktik probieren.

Veröffentlichung: Schauspielgrundlagen und Grundlagen der Regie, in: Ulrike Hentschel (Hg.), Theater lehren. Didaktik probieren, Schibri Verlag, 2016.

Die Theaterwelt Eberhard Köhlers – Russischer Dokumentar-Kurzfilm

eberhardkoehler.com

Foto: Elmar Engels

Kumar Muniandy

Kumar Muniandy ist ein queerer, tamilisch-malaysischer Schauspieler, Autor und Theatermacher, ausgebildet an der Guildhall School of Music & Drama in London. Er lebt in Berlin, London und Kuala Lumpur. Seine Arbeit kreist um Migration, Kolonialgeschichte und Queerness. Bekannt ist er für sein Solostück „Second Class Queer“ (Premiere Berlin 2022), das international tourt, sowie für I’m Coming For You Anyway. Aktuell übersetzt er Second Class Queer ins Deutsche und entwickelt sein neues Stück White Talcum Powder.

Jee Chan

Jee Chan ist als non-binäre*r Künstler*in in Tanz und Choreografie im weiteren Sinn aktiv. jee befasst sich im Geist von Hybridität und Synkretismus mit Fragen um den vertriebenen Körper und was er – insbesondere im Zusammenhang des insularen Südostasiens – darstellen kann. jee hat Pantun Baba Chan herausgegeben und übersetzt, das erste Buch von Pantuns, die auf Baba Malay mit englischen Übersetzungen in Singapur herausgekommen sind. Jee lebt in Singapur und Berlin. 

Buchpremiere
18:15 – 19:30 Uhr

Molche statt Menschen: Čapeks visionärer Klassiker von 1936 neu übersetzt – eine „beißend komische Parabel über entfesselten Fortschritt, Ausbeutung und den allmählichen Untergang der Menschheit“.

In Kooperation mit dem TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds

Mit Doris Kouba, Sebastian Guggolz und Katja Lange-Müller

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Ein Vorgeschmack auf das Gastland Tschechien – ein Gespräch zwischen Sebastian Guggolz, Katja Lange-Müller und der Übersetzerin Doris Kouba zur Neuübersetzung des tschechischen Klassikers »Der Krieg mit den Molchen« von 1936 (S. Fischer Verlag, 2026). Čapeks »beißend komische Parabel vom Untergang oder eher dem allmählichen Absaufen der Menschheit« (Katja Lange-Müller), unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg verfasst, ist ein visionärer Zukunftsroman über entfesselten Fortschritt und Ausbeutung. Čapek erläuterte: »Ich schrieb von meinen Molchen, weil ich an die Menschen dachte.« . 

Doris Kouba wird Einblicke in ihrem Beitrag für die TOLEDO-TALKS-Staying-Alive-Reihe geben, in der sie ihre Beobachtungen bezüglich ihrer Neuübersetzung darlegt.

Doris Kouba

Doris Kouba, als Tochter einer Sudetendeutschen und eines Tschechen 1974 in Darmstadt geboren, arbeitet seit ihrem Studium an der Universität Hamburg (unter anderem Westslawistik beim Lyriker Antonín Brousek) als literarische Übersetzerin aus dem Englischen, Tschechischen und Slowakischen. Sie hat Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Gedichte zahlreicher tschechischer Gegenwartsautoren übertragen und wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Doris Kouba lebt und arbeitet in Hamburg, Prag und Königgrätz (dort Planung eines Literatur- und Übersetzungszentrums), ist Mitglied im VdÜ und hat die doppelte Staatsbürgerschaft. 

Foto: Ondřej Lipár

Sebastian Guggolz

Sebastian Guggolz, geboren 1982 am Bodensee, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Volkskunde in Hamburg. Nach einigen Jahren als Lektor bei Matthes & Seitz Berlin gründete er 2014 den vielfach ausgezeichneten Guggolz Verlag, in dem er Neu- und Wiederentdeckungen vergessener Klassiker aus Nord- und Osteuropa in neuer Übersetzung herausgibt. Seit 2022 ist er zudem im Lektorat des S. Fischer Verlags und vor allem für die Klassiker zuständig. 2025 wurde er zum Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gewählt.

Foto: Nils Stelte

Katja Lange-Müller

Katja Lange-Müller (* 1951 in Berlin-Lichtenberg) ist eine deutsche Schriftstellerin. Nach einer Lehre als Schriftsetzerin arbeitete sie u. a. als Bildredakteurin und mehrere Jahre als Hilfsschwester auf psychiatrischen Stationen in Berlin. Ab 1979 studierte sie am Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“; 1984 siedelte sie in die Bundesrepublik über. Bekannt wurde sie durch Erzählungen wie Wehleid, wie im Leben (1986) und Romane wie Böse Schafe (2007, Shortlist Deutscher Buchpreis). Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1986 den Ingeborg-Bachmann-Preis, 1995 den Alfred-Döblin-Preis, 2008 den Wilhelm-Raabe-Preis, 2017 den Günter-Grass-Preis und zuletzt 2025 den Thomas-Mann-Preis. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Mitgründerin von PEN Berlin. Sie lebt in Berlin und der Schweiz.

Foto: privat

Buchvorstellung
20:00 – 21:15 Uhr

Eine der bedeutendsten literarischen Stimmen Ungarns zu Gast in Berlin:  Krisztina Tóth legt die Mechanismen von Macht und Propaganda offen – und zeigt eine politisch zerrissene Gesellschaft. 

Mit Krisztina Tóth, Timea Tankó und Stephan Szász

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Wie viel Gesellschaftskritik verträgt eine Gesellschaft in Realität und Fiktion? Krisztina Tóths dystopischer Roman Das Auge des Affen (A majom szeme, 2022) steht in Ungarn an der Spitze der Bestsellerlisten, ist aber auf Deutsch noch unveröffentlicht – hallo Verlage! Er spielt in einem fiktiven Land, in dem nach einem Jahre zuvor tobenden Bürgerkrieg die Einheitliche Nationale Regierung gebildet wurde. Die Grenzen sind geschlossen, die Todesstrafe wieder eingeführt, die Armen in abgetrennten Gebieten eingesperrt, und Abhören und Überwachung der Bevölkerung sind alltäglich geworden. Ausschnitte aus Das Auge des Affen werden eigens für das Festival übersetzt und gelesen.

Krisztina Tóth

Krisztina Tóth (geb. 1967 in Budapest) ist eine renommierte ungarische Autorin von 55 Werken, die in 22 Sprachen übersetzt wurden und die Bereiche Lyrik, Belletristik, Drama und Kinderliteratur umfassen. Ihr Roman Aquarium (Akvárium) stand 2015 auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis. Ihr Schreiben ist bekannt für seine präzise Form, seine Ironie und seinen schwarzen Humor. In Anerkennung ihrer Übersetzungen und ihres Engagements für die Förderung der französischen Literatur in Ungarn wurde ihr kürzlich der prestigeträchtige Orden Chevalier de l’Ordre des Arts et Lettres verliehen.

Trotz politischer Marginalisierung im eigenen Land und Verleumdungskampagnen während der „Orbán-Jahre“ hat sich ihr internationales Ansehen weiter gefestigt. Von der Kritik gefeierte Werke wie der dystopische Bestseller Eye of the Monkey (Das Auge des Affen) festigen ihren Status als wichtige, unabhängige Stimme in der europäischen Literatur.

Foto: Wavrik Gábor

Timea Tankó

Timea Tankó (* 1978 in Leipzig) ist eine literarische Übersetzerin, die ihre Kindheit in Ungarn und Deutschland verbrachte. Sie studierte Französisch, Spanisch und Kulturwissenschaften an der UniversitätLeipzig, von 2001 bis 2010 unterrichtete sie dort Ungarisch. Seit 2003 arbeitet sie freiberuflich als Literaturübersetzerin und Dolmetscherin aus dem Ungarischen und Französischen, u. a. von István Kemény, Antal Szerb und György Dragomán. Für ihre Übersetzung von Miklós Szentkuthys Apropos Casanova erhielt sie 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2026 war sie mit dem Roman Die Aussiedlung von András Visky erneut für den Preis nominiert, für den sie mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis und, gemeinsam mit dem Autor, dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sie lebt in Berlin.

Foto: Konstantin Déry

Stephan Szász

Stephan Szász (*1966 in Witzenhausen) ist Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen. Nach einem Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover spielte er an diversen Bühnen in Deutschland, u. a. am Schauspielhaus Köln, Nationaltheater Mannheim, Theater Bremen, Schaubühne Berlin, Nationaltheater Weimar sowie am Schauspielhaus Zürich. Seit vielen Jahren ist er in zahlreichen Rollen im Film und Fernsehen zu sehen. Szász unterrichtet seit 2014 an der Schauspielschule Charlottenburg, seit 2023 ist er künstlerischer Leiter des Literatur- und Musikfestivals in Ostwestfalen-Lippe Wege durch das Land. Er lebt in Berlin. 

Foto: Robin Kater

Konzert
21:15 – 22:30 Uhr

Festivalausklang: DJ-Set & Lounge mit Demetrius

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Demetrius

Demetrius ist ein in Berlin lebender DJ aus den USA, bekannt für seine dynamische Mischung aus Breakbeat, House, Electro und UK Garage. Seine Sets zeichnen sich durch präzise Rhythmen, tiefe Grooves und ein intuitives Gespür für die Bewegung auf der Tanzfläche aus.

Neben seiner eigenen Arbeit als DJ ist Demetrius Gründer von Groove Circuits – einem Kollektiv, das seine energiegeladene und nach vorne gerichtete musikalische Haltung widerspiegelt. Unter dem Motto „All gas, no breaks“ steht das Projekt für mutige Sounds und Underground-Spirit – ganz wie Demetrius’ eigene musikalische Auswahl.