- „Als das Ding zur Erde herabkam – konkret auf die Pfarrwiese einer mittelgroßen Stadt –, dachten die Menschen, die es als Erste sahen, es handele sich um irgendeine optische Täuschung; eine Lichtbrechung etwa, die verschwände, wenn man den Kopf leicht drehte oder die Sonne von einer Wolke verdeckt würde. Aber es verschwand nicht; es blieb ein paar Fußbreit über der Erde schweben – ein seltsam phosphoreszierendes rundes Gebilde von etwa drei Metern Durchmesser. Man konnte sich dieser Kugel nähern, man konnte sie sogar berühren. Manche erzählten, ihre Oberfläche fühle sich warm und geschmeidig an, andere schworen, sie hätten im Innern irgendeine Regung gespürt.
Jedenfalls verschwand die Kugel weder am nächsten Tag noch nach einer Woche noch nach einem Monat.
[…]
Das Interesse an dem seltsamen runden Objekt reißt nicht ab. Immer mehr Menschen sehen in seiner Existenz den Beweis für etwas Weltbewegendes. So eine Erscheinung lässt sich schließlich nicht mit den Koordinaten des Zufalls erklären. Das Ganze ist eine Aufforderung; eine Chance, die vielleicht so schnell nicht wiederkommt.
Kurz darauf tauchen die Prediger auf. Ihre Anzahl wächst so stetig wie ihr Bekanntheitsgrad. Die Prediger reden von erlöschender Energie, von gesellschaftlicher Spaltung, von der Suche danach, wie man sein Leben wieder dem Mysterium öffnen kann, von der Notwendigkeit des Opferbringens. Sie kleiden sich in Weiß, tragen prinzipiell keinen Schmuck. Sie bestehen aus Männern und Frauen unterschiedlichen Alters. Niemand von ihnen erwähnt seinen familiären Hintergrund oder seine Vergangenheit. Es geht ihnen allein darum, die Möglichkeiten einer neuen Welt zu erörtern, und die Fesseln jener alten Welt haben in diesem Konzept keinen Platz. [,,,]“
Klara Vlasáková
Die Kugel

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